Reiche Deutsche auf Kreuzfahrt um “Migranten zu retten” und Kontakte zu Menschenschleppern – das ist die NGO “Sea-Eye”

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Rom, 30. März 2018

Von Francesca Totolo

Was macht eine deutsche Bürgerin, die von Beruf eine Fotografin für “Hochzeiten, Geburten und Geburtstage” und keine Reporterin von der Front ist, auf dem Fischkutter der “Sea-Eye” Organisation vor den libyschen Küsten?

Offensichtlich eine All-Inclusive Kreuzfahrt, bei der Abenteuerurlaub und Adrenalinrausch im Vordergrund stehen. Beides sind möglicherweise Dinge, warum man diese Art zu Reisen den gewöhnlichen Kreuzfahrten, auf den großen Schiffen, die die bekannten Touristenrouten abfahren, vorzieht.

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Mit dem klaren Ziel, das Elend von Migranten, die den Wellen ausgeliefert sind, aufzuklären und die Kassen aufzufrischen, organisiert die Nichtregierungsorganisation “Sea-Eye” an Bord ihrer Schiffe dubiose Kreuzfahrten, an denen gelangweilte Wohlhabende, oft bejahrte, der deutschen guten Bourgeoisie teilnehmen.

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Alea, die Fotografin, die letzten März an Bord von “Sea-Eye” war, erzählt in ihrem Blog, dass sie und die anderen Kreuzer im Hafen von Licata vom Reisebüro-Agenten Peter begrüßt wurden, der die Kreuzfahrt organisierte.

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An Bord fehlte es anfangs nahezu an nichts. So gab es zur Begrüßung Blumen für alle und selbstverständlich durften auch Gläser voll mit sizilianischen Wein nicht fehlen. Ein Willkommenscocktail wie man ihn sonst nur an Deck auf den besten Kreuzfahrtschiffen serviert bekommt.

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Der zitierte “Peter” ist Peter Buschheuer, Leiter von “Sea-Eye” Presse und Vater von Michael, Gründer der deutschen Organisation.

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Die deutsche Fotografin setzt die Erzählung der Kreuzfahrt vor den libyschen Küsten fort. Sie schreibt von Gästen, die unter Seekrankheit leiden, vom Mangel an Trinkwasser, den Schwierigkeiten exzellente Mahlzeiten auf einem alten Fischkutter zu bekommen und der Enttäuschung des vorzeitigen Endes der Reise wegen schlechtem Wetters:

“Deshalb war es der Besatzung der M1 (“Sea-Eye” Schiff) nicht möglich, auf dem Mittelmeer eine echte Rettung zu leisten – das Motiv warum wir alle auf Reise (an Bord) gingen”.  Werden “Sea-Eye” Kreuzfahrtpassagiere für die fehlende Rettung von Migranten entschädigent? Oder ist die Rettung nur ein Extra?

Sind sich die europäischen und italienischen Behörden der ungeschulten Menschen auf dem “Sea-Eye” Schiff bewusst, aufgrund des vorherrschenden Amateur-Niveaus an Bord, die Rettungsaktionen von Migranten ernsthaft gefährdet sind?

Die mangelnde Professionalität an Bord der “Sea-Eye” wird einem der Kapitänen, die abwechselnd den deutschen Fischkutter führten, bewusst. Im vergangenen Sommer führte Frank Kadow, ein 65-jähriger Rentner aus Köln, das “Seefuchs” Schiff, nachdem er eine Lizenz für Sportboote erhalten hatte.

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Darüber hinaus berichtet Kadow in einer lokalen Zeitung, dass Menschenschlepper Migranten in die Nähe der libyschen Küste bringen, wo bereits NGO-Schiffe anwesend sind, und dass sie nach dem Umladen die Motoren aus den Schlauchbooten entfernen, um sie in Zukunft wiederzuverwenden.

Eine sehr genaue Aussage eines direkten Zeugen, die in den Untersuchungsakten der sizilianischen Staatsanwälte landen sollte und die eine Art Zusammenarbeit zwischen Menschenschleppern und NGOs darstellen könnte.

Bezahlte Kreuzfahrer, Abenteuerliebhaber und Kommandeure ohne Pro-Bono-Erfahrung, das ist die “Sea-Eye” Crew.

Die Menschen werden oft gebeten NGOs, die die kostspieligen Rettungseinsätze vor den libyschen Küsten durchführen, finanziell zu unterstützen, wobei nur ein kleiner Prozentsatz der Organisationen ihre Budgets veröffentlicht.

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Eine sehr merkwürde Eigenheit, insbesondere für deutsche gemeinnützige Organisationen, welche sich über private Spenden der Wohlwollenden Allgemeinheit gerechtfertigt sehen.

“Sey-Eye” stellt hierbei keine Ausnahme dar und bevorzugt es, alle Anfragen in dieser Angelegenheit stillschweigend zu ignorieren.

Auf der Website der Organisation finden wir jedoch den Veranstaltungskalender, der Mission 2018 vorangegangen ist. Hauptsächlich fanden die Crowdfunding-Treffen in evangelischen und mennonitischen Kirchen in Deutschland und der Schweiz statt. Gibt es denn eine bessere Bühne, um die spannenden Dia-Shows (natürlich mit Kindern im Vordergrund, wie es üblich ist) der letzten Missionen zu präsentieren? Und welches Publikum sollte dabei besser geeignet sein, um bereitwillig die Brieftasche zu öffnen?

Für eine Mission, die am Tag Kosten in Höhe von bis zu 5.000 Euro verursachen kann, scheint dies jedoch nicht ausreichend zu sein.

Kommen wir zurück zum Jahr 2017. “Sea-Eye” gehörte zu den ersten Unterzeichnern des Verhaltenskodex für NGOs von Minniti, stellte aber plötzlich die Such- und Rettungsaktivitäten auf See ein.

Erst am 9. September, nach fast einem Monat, wird die Organisation mit einer Pressemitteilung des Gründers Michael Buschheuer den Betrieb vor der libyschen Küste wieder aufnehmen.

“Das Abkommen zwischen den europäischen Nationen und der libyschen Küstenwache ist unverantwortlich. Sie erlauben die Fortsetzung einer völkerrechtswidrigen Situation. Wir müssen in die Gegend zurückkehren und jeden in Not retten, wir schulden es allen Menschen in Gefahr.”

Und es ist nicht das erste Mal, dass “Sea-Eye” die Souveränität der Staaten im Namen einer angenommenen und selbsternannten humanitären Heiligkeit nicht respektiert.

Selbst in der Verteidigungskommission des italienischen Senats kam es erst am 10. Mai zur Anhörung der Leiter der Organisation, nach zahlreichen Anfragen von Institutionen unseres Landes.

Wir fragen: Warum ist eine vollständige Zusammenarbeit ausländischer Organisationen mit den italienischen Behörden nicht notwendig, obwohl die Migranten, die sie aus dem Meer retten, in unsere Häfen gebracht und wenn erst einmal gelandet, dank der Großzügigkeit der italienischen Steuerzahler unterstützt werden?

Das schleierhafte Verhalten der “Sea-Eye” Aktivitäten zeigt sich auch in einem anderen Umstand, der bis ins Jahr 2016 zurückführt.

Anfang September wurde eine “Sea-Eye” Crew von der libyschen Küstenwache festgenommen, weil sie sich in nationalen Hoheitsgewässern befand.

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Die Anschuldigung wurden offenbar von der Mannschaft abgestritten und so fand die Freilassung, dank des Eingreifens durch den deutschen Botschafter, in Libyen statt.

Lasst uns zu den aktuellen Nachrichten zurückkehren. Kurz vor der neuen Mission im Mittelmeer, die in den letzten Tagen begonnen hat, ist der Gründer Michael Buschheuer als Vorsitzender von “Sea-Eye” zurückgetreten.

“Ich bleibe jedoch vollständig präsent und werde auch weiterhin finanziell und als Repräsentant mitwirken.”

Die Geschäftsführung wechselte zu Tylmann Mischkowsky, Chris Orlamünder, Jan Ribbeck und Gorden Isler, einem Finanzmakler, der “maßgeblich zur Finanzierung des zweiten Schiffes der Organisation beigetragen hat”. In welcher Weise und mit welchen Worten Isler das riesige Geld gefunden hat, um ein zweites Schiff zu finanzieren, bleibt ein Rätsel. Gibt es eine fragwürdige Finanzierungsquelle, die “Sea-Eye” lieber versteckt hält?

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Wir schließen den Artikel mit einigen Bildern aus dem letzten Sommer, die zumindest einen direkten Kontakt zwischen der deutschen Organisation “Sea-Eye” und den Menschenschleppern beweisen können.

Wie Sie unschwer erkennen können, tragen alle Migranten Rettungswesten und sind an Bord eines Bootes, das seetauglich ist, seinen Motor noch am Platz trägt und navigieren kann also keine Notfallsituation.

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Das Boot der Menschenschlepper befindet sich in unmittelbarer Nähe des Rettungsteams Seefuchs, das mit dem Transfer beginnt. Am Ende des Transfers wird das Boot von den Schmugglern abgeschleppt, um es für folgende Transporte von Menschen wiederzuverwenden.

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Natürlich dürfen wir auch nicht die Bilder vergessen, die eine Art Zusammenarbeit der Deutschen mit der Al-Bija-Miliz zeigen, Vermittler von Schmugglern im Menschenhandel. Eine wirkliche Gewohnheit für die NGOs, die 2017 vor den libyschen Küsten operierten, einschließlich der angeklagte Proactiva Open Arms.

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Der damalige Kapitän, Claus-Peter Reisch, sagte gegenüber TV BR, dass seine Organisation nie Kontakt zur libyschen Küste gehabt habe. Wir wissen es nicht, ob es keinen Kontakt zur ” libyschen Küste” gab, aber mit der Al-Bija-Miliz und mit den Menschenschleppern scheint es paradoxerweise zu Kontakt gekommen zu sein.

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Kapitän, Claus-Peter Reisch: “Wir haben keine Kontakte zur libyschen Küste” … und Al-Bija Boys, der Menschenschlepper Miliz???

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(Neu) Mission 3 der Seefuchs erfolgreich abgeschlossen – April 2018 Quelle: Sea-Eye Video

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Quelle:

* “Ricchi tedeschi in crociera a “salvare migranti” e contatti coi trafficanti: ecco l’Ong Sea-Eye”: http://www.ilprimatonazionale.it/primo-piano/ricchi-tedeschi-in-crociera-a-salvare-migranti-e-contatti-coi-trafficanti-ecco-long-sea-eye-82504/
* “Seenotrettung im Mittelmeer” – Alea Horst – blog: http://aleahorst.de/index.php/2017/04/01/seenotrettung-im-mittelmeer/
* “Kölner Rentner rettet Flüchtlinge im Mittelmeer”: https://www.report-k.de/Koeln-Nachrichten/Koeln-Nachrichten/Koelner-Rentner-rettet-Fluechtlinge-im-Mittelmeer-80896
* “The kingpin of Libya’s human trafficking mafia”: https://www.trtworld.com/magazine/libya-human-trafficking-mafia-in-zawiya-301505
* “NGO collusion with the Libyan human traffickers”: http://migrantrescuewatch.blogspot.de/2017/08/ngo-collusion-with-libyan-human.html

 

 

 

 

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